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Die Bombenopfer des Philipphofs

Kaum einen der Touristen und Wiener wird bewusst sein, dass jedes mal wenn sie den Helmut-Zilk-Platz überqueren, der den meisten noch als Albertinaplatz bekannt ist, sprichwörtlich über Leichen gehen. Der Platz wird erst seit 2009 Helmut-Zilk-Platz genannt, nach dem 2008 verstorbenen ehemaligen Wiener Bürgermeister selben Namens. Bis zum 12. März 1945 stand hier der prächtige Bürgerhof Philipphof. Alles was daran noch erinnert ist das Hemden Geschäft  „Zum Jockey Club“ in der Tegetthoffstrasse welches nach dem vornehmen Gesellschaftsclub Jockey Club benannt ist, der hier im Philipphof seine Räume hatte. Der Philipphof bedeckte das ganze dreieckige Areal welches von der Führichgasse, Tegetthoffstrasse und Augustinerstrasse abgegrenzt wird. Heute befindet sich auf den oberen Teil des Platzes, auf der Seite der Führichgasse, eine Grünanlage und auf den unteren Teil seit 1988 das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus. Der Platz erweckt den Anschein, als sei er immer schon da gewesen. Er wirkt so, als ob er von den Städteplanern von Anfang an so angelegt wurde.

Am 12. März 1945 wurde der Philipphof während eines Luftangriffs von mindestens fünf Bomben getroffen. Der daraus resultierende Brand brachte das Gebäude zum einstürzen. Unterhalb des Gebäudes befand sich einer der größten Luftschutzkeller in der Umgebung in dem schätzungsweise 300 Menschen Zuflucht gesucht hatten. Die Trümmer des Gebäudes versperrten den Ausgang aus dem Keller und die Feuerwehr, die versuchte den Brand zu löschen, macht die Situation nur noch schlimmer. Als das Wasser in Kontakt mit den heißen Steinen kam, wurde es kochend heiß und floss in den Keller. Die dort Schutzsuchenden wurden bei lebendigen Leib gekocht. Niemand überlebte. Das Haus wurde so stark zerstört, dass eine Bergung aller Toten nicht möglich war. Nachdem man 180 der wahrscheinlich weit über 300 Opfer exhumiert hatte, wurden die Baureste gesprengt und der Platz planiert. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Platz dann so gestaltet wie wir ihn heute kennen.

Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus welches hier errichtet wurde steht nicht zufällig hier. Es wurde errichtet in Gedenken an alle Opfer von Krieg und Faschismus aber weil am diesen Platz so viele Menschen durch die Bomben ums Leben gekommen sind, wurde er als besonders geeignet für das Mahnmal betrachtet. Das Mahnmal wurde 1983 in Auftrag gegeben. Die Idee war anfangs sehr umstritten. Viele fanden den zentralen Standort in der Nähe der Albertina und Staatsoper anstößig und einige wollten keine Erinnerung an die Rolle der Österreicher und Österreicherinnen während des Nationalsozialismus. Wieder andere störten sich an dem Begriff „alle Opfer des Krieges“, denn das zog auch die Opfer der Wehrmacht mit ein. Eine Figur des Mahnmals zeigt einen Gefallenen Soldaten der Wehrmacht. Wegen dieser heftigen Kritik und fehlender Akzeptanz konnte das Mahnmal erst 1988 vom Bildhauer Alfred Hrdlicka errichtet werden. Ich werde jetzt nicht das ganze Mahnmal beschreiben sondern nur über den Teil der sich direkt mit den Opfern des Philipphofs beschäftigt.

Am unteren Ende des Platzes, direkt vor dem sogenannten „Tor der Gewalt“ ist eine Gedenktafel im Boden eingelassen die an die Bombenopfer von Wien erinnert. Die Inschrift lautet in Großbuchstaben:

MAHNMAL GEGEN KRIEG UND FASCHISMUS

VON ALFRED HRDLICKA

ERRICHTET VON DER STADT WIEN

IM BEDENKJAHR 1988

AN DIESER STELLE STAND DER PHILIPPHOF

DER AM 12. MÄRZ 1945 BEI EINEM BOMBEN-

ANGRIFF ZERSTÖRT WURDE. HUNDERTE MENSCHEN,

DIE IN DEN KELLERN DES GEBÄUDES ZUFLUCHT

GESUCHT HATTEN, KAMEN DABEI UMS LEBEN.

ALLEN OPFERN VON KRIEG UND FASCHISMUS

IST DIESES MAHNMAL GEWIDMET.

Die Figur „Orpheus betritt den Hades“ ist für die Bombenopfer von Wien errichtet. Der Bildhauer Alfred Hrdlicka sagte dazu: „Orpheus betritt den Hades bezieht sich auf die Bombenopfer in den Kellern des Philipphofs. Wer dort Zuflucht suchte hat die Hölle betreten.“ Für diejenigen die in griechischer Mythologie nicht so bewandert sind, der Hades steht für die Unterwelt, die Welt der Toten, durchaus vergleichbar mit der Hölle.

Abgesehen von der Figur „Orpheus betritt den Hades“ und der Gedenktafel, erinnert nur noch ein weißes Kreuz mit einem Grablicht und ein ziemlich verwitterter Kranz an die Bombenopfer des Philipphofs.

Das nächste mal wenn man es wieder mal eilig hat und über den Platz eilt, als Einheimischer oder als Tourist, kann man ja vielleicht kurz inne halten und an die Toten denken die hier noch begraben liegen. Erst dann wird einen die Bedeutung des Mahnmals in Verbindung mit diesem Platz wirklich bewusst.

Es gibt noch eine Geschichte zum Jockey Club der sich ja im Philipphof befunden hatte. Die Bar des Clubs befand sich in einem kleinen Ecktürmchen Richtung Augustinerstraße. Als der Luftalarm losging, genoss ein würdiges Mitglied des Clubs gerade dort seinen Drink. Er sagte zum Barkeeper, dass er seinen Drink in Ruhe genießen möchte und forderte ihn auf auch zu bleiben. Während alle in den Keller unterhalb des Gebäudes flüchteten, blieben beide stoisch in der Bar der im Gegensatz zum Rest des Gebäudes kaum zerstört wurde. Sie waren die einzigen beiden Überlebenden des Philipphofs während all jene im Keller gestorben sind.

Literaturverzeichnis
www.nachkriegsjustiz.at: http://www.nachkriegsjustiz.at/vgew/1010_alb.php
Wikipedia Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Mahnmal_gegen_Krieg_und_Faschismus